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Big Shift: von der Brand zur Experience

von Claudia Grubmüller
08. 11. 2023
Lesezeit: 5 Minuten

Der unverhohlene Vortrag des 26. HR/Cafés forderte einmal mehr dazu auf: Schluss mit Corporate-Bullshit! Es braucht echte Kultur, die ernsthaft um positive Work-Experience bemüht ist. "Machen wir Arbeit wieder menschlich", plädiert Keynote-Speaker Mag. Andreas Perotti, Chief Marketing Officer bei FACC.  

Nach einer intensiven Dekade des Employer Brandings sind wir uns einig: Mitarbeiter:innen wollen nicht gebrandet werden. Schon gar nicht, wenn es nur zum äußeren Schein dient, während der Arbeitsalltag stumpf und ärgerlich bleibt. Wie viele sind die Obstkorb-Versprechen Leid und wünschen sich aufrichtige Veränderung! Strukturell und nachhaltig.

Diesen universellen Missstand unserer Arbeitswelt hat vor einigen Jahren auch Mag. Andreas Perotti erkannt und wollte gemeinsam mit Kolleg:innen möglichst rasch ins Tun kommen. Nach unruhigen Jahren im Konzern – vom raschen Wachstum hin zum abrupten Einbruch und Stellenabbau während der Pandemie und retour auf die Erfolgsspur – war bei FACC ein strategischer Neubeginn auch in Sachen HR notwendig. Mission: Das Wohlbefinden, also die Experience, für bestehende Mitarbeiter:innen zu verbessern, anstatt in Recruiting und oberflächliche Maßnahmen zu investieren. Ergebnis: weniger Fluktuation, bessere Performance und vor allem ein offener, animierender Ton.

Wie gelingt eine positive Work-Experience?

Basis aller Bemühungen ist freilich die Unternehmenskultur – maßgeblich bestimmt durch Vorstand, Führungskräfte und Management. Hier beginnt Veränderung. Mit einem ernst gemeinten Bekenntnis dazu, an der Basis arbeiten zu wollen. Im Unternehmen würde Leistung gemessen und nicht etwa Anwesenheit. Die Leute wollen sich einbringen, man müsse sie nur lassen. Überkommene Bürokratie stehe dem im Weg.

Der wichtigste Erfolgsfaktor für höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist es, Freiheiten zuzulassen. Für individuelle Entfaltung und intrinsische Motivation.

Andreas Perotti

Nach einer Grundsatzentscheidung führte FACC vielfältige Maßnahmen ein, um Brennpunkte überhaupt zu erkennen. Was führt zu Unzufriedenheit? Wo liegen die größten Problemstellungen? Abläufe, Arbeitsmittel, Führungsstile ... Das unternehmerische Wesen wurde in einem disruptiven Prozess hinterfragt und durchleuchtet. Feedbackwesen im Wesentlichen, aber ohne beschwichtigende Maske. Regelmäßige Formate wie "Flight Club" luden zur Beteiligung ein. Die Mitarbeiter:innen brachten Alltagserzählungen und Rückmeldungen. Der Vorstand, physisch anwesend, nimmt sich Zeit, hört zu und beantwortet aufrichtig alle Fragen.

Am Ende dieser Auseinandersetzung entstand ein 50-Punkte-Programm. 50 sehr kleine bis sehr große Maßnahmen, die nicht nur dokumentiert, sondern tatsächlich nach und nach umgesetzt werden. Ein Plan, der bessere Work-Experience etabliert, aber nicht nur das: Als Mitarbeiter:in fühlte man sich verstanden, und echte Verbesserungen wurden täglich erfahrbar. Motiverend, oder?

Benefits oder Work-Experience?

Ja, Benefits seien schon wichtig, aber "unsere Leute wussten teils schon nicht mehr, welche Leistungen wir überhaupt anbieten", erzählte Perotti aus der Praxis. Zudem hätten die größeren Unternehmen viele ähnliche Extras im Portfolio. Auch in diesem Bereich räumte FACC auf. Gezieltere Angebote, die tatsächlich genutzt werden, gebündelt und verständlich kommuniziert. Experience stehe auch hier im Vordergrund:

Wenn ein organisiertes Onboarding zwar versprochen wird, es aber nicht über übliche Arbeitsmittel hinaus geht, wird sich der neue Mitarbeiter wenig eingeladen fühlen. Experience bedeutet Austausch mit anderen, gemeinsames Lachen und vieles mehr.

Andreas Perotti

Daran müsse man in Sachen Mitarbeiterbindung zukünftig verstärkt arbeiten – allem voran an Leadership- und Soft-Skills. Dadurch könne man sich am Arbeitnehmer:innenmarkt noch von anderen unterscheiden.

Ist Experience die neue Brand?

Darüber diskutierten die Teilnehmer:innen des 26. HR/Cafés nach einer inspirierten Keynote. Einen nächsten Schritt müssen wir in Human Resources jedenfalls setzen. Ob als Antwort auf die Bedürfnisse der jüngeren Generationen oder idealerweise aus Überzeugung.  

Wir bedanken uns für das große Interesse an unserem Format. Danke den geschätzten Gästen, unter anderem von Swietelsky, BVS Brandverhütungsstelle, Klinikum Wels, Miba, IFN-Holding, Hainzl Industriesysteme, Steinbach International, Praher Plastics Austria und vielen mehr, fürs Dabeisein! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

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