Beziehungs/Weise

Teil 2 der Expedition Klimaforschung:
Räume und ihre Wirkung

Nina Obernosterer

27. 06. 2018

Blogbeiträge sind ja leider kein direkt dialogisches Medium. Dennoch stelle ich am Beginn dieses Beitrags einige Fragen an Sie, liebe LeserInnen. Sie sollen einen Raum für Reflexion bereiten.

  • Wie hat Ihre Expedition in Sachen Unternehmensklima begonnen?
  • Was haben Ihre Feldbeobachtungen mit 8 Sinnen ergeben?
  • Was konnten Sie im Außen (Dynamik und Muster) und im Innen (Gedanken, Empfindungen, Emotionen) entdecken?
  • Welche Stärken und Handlungsfelder hat diese differenzierte „Klima-dynamikstudie“ zum Vorschein gebracht?
  • Was machen Sie nun mit diesen Daten?

 

Bevor Sie sich gleich Gedanken und Pläne zur Gestaltung von konkreten Maßnahmen zur Klimaveränderung machen, verlangsame ich den Prozess ganz bewusst nochmal – ich kann mir vorstellen, dass einigen von Ihnen eine Tabelle mit konkreten Beispielen zu Maßnahmen als Ideengeberin schon reichen würde, hier bitte ich um Geduld, dies folgt in Beitrag drei.

Das Klima wird auf der Empfindungsebene wahrgenommen, nicht auf der objektiven Maßnahmenebene. Bevor Sie also in die konkrete Interventionsgestaltung gehen, folgt der Praxistipp für diesen Beitrag:

Praxistipp:
Das (Zukunfts)bild – ein wahrnehmbarer Raum voller Empfindungen.

Wenn das Klima auf der Empfindungsebene wahrgenommen wird, dann ist es sinnvoll, die Basis jeglicher Maßnahmen auf dieser Ebene zu legen. Dieser Empfindungsraum lässt sich wunderbar über die Vorstellungskraft von Bildern öffnen.

Nehmen Sie nun Ihre Beobachtungen und Sinneswahrnehmungen zum Betriebsklima als Grundlage:

  • Welches Zukunftsbild zeichnen Sie für Ihr Unternehmen, Ihre Abteilung, Ihr Team, wenn es um die gewünschte Klimaentwicklung geht?
  • Welches Bild formt sich da vor Ihrem inneren Auge?
  • Welche Wahrnehmungen melden Ihre 8 Sinne zurück, wenn Sie sich in diesem Zukunftsbild befinden?

 

Nehmen Sie sich Zeit für einen Spaziergang in Ihrer Vorstellung. Vielleicht visualisieren Sie Ihr Bild und notieren die eine oder andere Sinneswahrnehmung darauf, so kann die Zukunft bereits in der Gegenwart Gestalt annehmen. Im Alltag helfen diese visualisierten Bilder und Empfindungen auch beim Abgleich zwischen Realität und Wunsch.

Fühlt sich die Realität nicht so lebendig, respektvoll, kollegial, umsetzungsorientiert, im Flow befindlich und atmungsaktiv an, dann gilt es die Maßnahmen zu hinterfragen und zu adaptieren.

Ob Sie dies alleine machen oder die passenden MitarbeiterInnen und/oder KollegInnen beteiligen bleibt ganz Ihnen überlassen. Je breiter akkordiert dieses Bild im Visuellen wie in der Sinneswahrnehmung ist, je spür-, fühl- und sehbarer, desto leichter wird es im Alltag lebendig. Und genau das soll es ja sein, ein lebendig spürbares Klima und nicht nur 10 leblose Leitbildsätze visualisiert in den Gemeinschaftsräumen und in diversen anderen Medien.

Einen offenen Raum schaffen

Wenn Sie nun Ihr (gemeinsames) Bild in Ihrer Organisation in Sachen Klimaentwicklung kreiert haben, welche Maßnahmen können Sie nun auf welcher Ebene setzten, um dieses Bild lebendig werden zu lassen?

Ich stelle mir die unten genannten Ebenen als WG-PartnerInnen vor, die zwar alle ihren eigenen Raum in diesem Betrieb haben, sich dennoch gegenseitig tangieren und das Klima in der WG durch ihr Zusammenwirken massiv beeinflussen. Also egal in welchem Raum eine Party stattfindet, die anderen sind auch davon betroffen. Besser gleich alle einladen und gemeinsam Party machen. So haben alle Ihren Spaß daran. Also Wände raus, einen offenen Raum schaffen für ein vernetztes Querdenken, -fühlen und -empfinden!“ 

 

Mögliche WG-PartnerInnen

  • Organisationaler Raum – Sinn, Vision, Ziele, Organisationsformen, Hierarchien, Spielregeln, Prozesse, Abläufe, ...
  • Individueller Raum – fachliche und persönliche Entwicklung von MitarbeiterInnen persönliche Zieleverwirklichung innerhalb des Unternehmens, Möglichkeit der Mitgestaltung und des Einbringens, Verantwortungsübernahme, ...
  • Raum der Zusammenarbeit – Führung, Team- und Gruppendynamik, Selbstorganisation, Mitverantwortung, Kooperation und Konkurrenz, kollegiale Beratung, Wissen teilen, ...
  • Der physische Raum – Raumgestaltung, Gemeinschafts- und Rückzugsräume, Wohnlichkeit und Funktionalität, Farben, Licht, Geräusche und Gerüche, leibliche Versorgung, ...

 

Das sind für mich wesentliche Räume in einer Organisation mit klimarelevanten Themen. Vielleicht finden Sie ja noch weitere für Sie relevante Räume und Themen, die Erfahrungswelten sind ja vielfältig.

An dieser Stelle lasse ich Sie nun mit Ihrer Klimaforschungsexpedition weitermachen. Bis zum nächsten Beitrag könnten Sie ja die eine oder andere WG-Party veranstalten und Ideen entwickeln, wie Sie das gewünschte Bild der Klimaentwicklung in Ihrem Unternehmen zum Leben erwecken können, oder lebet es bereits und braucht nur ein wenig frischen Wind?

Im nächsten Beitrag wird es dann konkreter mit Maßnahmen und Interventionen. Wir werden uns die genannten WG-PartnerInnen noch genauer ansehen, vor allem hinsichtlich ihres Potenzials zur positiven Betriebsklima-Beeinflussung.