Beziehungs/Weise

Ja, ich mein‘ nein ... also jein!

Claudia Schwinghammer

13. 06. 2022
Lesezeit: 3 Minuten

Erinnern Sie sich noch an den Ohrwurm von The Clash – Should I stay or should I go? Der Refrain hat folgenden Inhalt: „If I go there will be trouble and if I stay it will be double.“ Auch wenn diese Art der Musik womöglich nicht auf Ihrer persönlichen Playlist aufscheint, ist die Botschaft glasklar: Egal, was ich tue, egal, wofür ich mich entscheide, es bringt mich in eine gefühlte Zwickmühle.

Tatsächlich hadern viele Menschen nach der Covid Krise mit Entscheidungen. Soll ich in dem Unternehmen bleiben, das mir schon so vertraut ist oder wäre es gesünder und erstrebenswerter mich neu zu orientieren?

Für Sie als Personalist hat dieses beschriebene Phänomen namens „Ambivalenz“ oder auch „Zerrissenheit“ Ihrer Mitarbeiter nicht nur soziale, sondern auch finanzielle Konsequenzen. Aber gehen wir vielleicht noch einen Schritt zurück, nämlich dahin, wo wir verstehen können, wie es Menschen mit Ambivalenzen so geht und was sie antreibt.

Sie können sich vorstellen, dass Ambivalenzen sich in vielen Lebensbereichen und Kontexten unseres Lebens finden – wo auch immer sie auftauchen, sie führen meist dazu dass wir nichts machen. Ja, Sie haben richtig gelesen – Ambivalenzen führen nicht selten zu einem absoluten Stillstand, weil unser Kopf widersprüchliche Ideen schlichtweg nicht verarbeiten kann und sich infolgedessen sehr gerne tot stellt. Ganz nach dem Motto: Wenn ich mich jetzt ruhig verhalte, geht der „Kelch“ vielleicht an mir vorbei. Um es greifbarer zu machen gebe ich Ihnen gerne ein Beispiel: Ich brauche die Sicherheit die mir ein Angestelltenverhältnis bietet und gleichzeitig fühl ich mich von dem Managementteam missverstanden.

So viel zur Theorie, aber wie kommt Ihr Team aus dieser „Patt-Position“ wieder raus?

Patt-Position – was jetzt?

Bevor ich Ihnen jetzt Ideen liefere, wie wir aus der „Zerrissenheitsnummer“ wieder rauskommen, sei eines gesagt: Jeder Mensch fühlt sich einmal hin- und hergerissen. Jeder hat mal das Gefühl dass sich Kopf und Bauch ein Duell liefern.

Wie so oft beginnt alles mit Wahrnehmen. Ein Wahrnehmen dahingehend, wie sich Option A oder auch Position B im Körper anfühlt. Zuerst die Position „Sicherheit“ und dann die Position „System Unternehmen“. Für die Visuellen unter Ihnen hilft es auch Für und Wider nicht nur aufzuschreiben, sondern auch noch mittels Punktebewertung festzuhalten (1 = weniger wichtig für mich, 5 = sehr wichtig für mich).

Sobald beide Positionen gut spürbar sind, versuchen Sie noch zu erkennen mit welchem Gefühlszustand Option A oder B verknüpft ist. Abschließend kann die Überlegung aufgestellt werden, welche der beiden Optionen Sie dem eigenen Ziel näher bringt. Ist es die „Sicherheit“ oder das „System“?

Einen habe ich noch: Oft fühlen wir uns blockiert und gebremst, weil wir uns davor fürchten eine falsche Entscheidung zu treffen. Die schlechteste Wahl, die wir treffen können, ist nichts zu tun. Also diesen Stillstand hinzunehmen.

Für Sie als HR-Verantwortliche geht es wie anfangs formuliert nicht nur um die Zerrissenheit Ihrer Mitarbeiter, sondern viel mehr um finanzielle Konsequenzen. Wir wissen aus Untersuchungen, welche unglaubliche Summen uns Personalwechsel kosten. Deshalb halten Sie die wirklichen „High-Performer“ in Ihrem Unternehmen fest und sorgen Sie dafür, dass Sie sich langfristig für Sie entscheiden. Zum Beispiel durch neue Arbeitsweisen, Abstimmungsprozesse und nicht zu vergessen Respekt und Wertschätzung im Miteinander.

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