I like my job!
Was Mitarbeiter:innen heute brauchen

Edith Hofer

12. 05. 2022
Lesezeit: 7 Minuten

Sind es noch mehr Benefits? Mehr Möglichkeiten zum Homeoffice? Oder, um ihren Job ungefährdet zu sehen, so wenig Veränderungen wie möglich? 

Denn gerade die Angst nicht mehr gebraucht zu werden wird durch die fortschreitenden Digitalisierungs­prozesse gesteigert. Vor allem durch jene, die richtig gut funktionieren. Und genau diese Prozesse machen viele Mitarbeiter:innen zu Bremsern, da sie Entscheidungen des Unternehmens nicht mittragen. Sie behalten ihr Wissen und ihre Expertise für sich.

Ein klares Statement, mit dem Dr. Reinhard Lindner – der Keynote Speaker des HR/Café am 02. Mai 2022 – in seinen Vortrag einstieg. Seit 1996 entwickelt er äußerst erfolgreich Führungskräfte weiter und hat auf diesem Weg das Programm "L.I.K.E. – Exzellenz macht Freude" erstellt. Die Zeit der Pandemie hat er genutzt um sein Wissen in Buch- und Bestsellerform zu packen.

Für Lindner sind fünf Gründe maßgeblich um bestehende Mitarbeiter:innen zu halten und neue zu rekrutieren. 

Grund #1
Kann ich irgendwann die Früchte meiner Arbeit ernten?

Sicherheit hat viele Facetten. Die vorrangig entscheidende ist jene Sicherheit, dass sich alle Investitionen an mehr Zeit, mehr Wissen und mehr Einsatz, die eine Person bringt, auch auszahlen werden.

If a company has a purpose, it doesn´t need a bonus.

Markus Posch, Head of HR Global i.R. Erste Group

Grund #2
Die Sinnfrage: Ist das was ich tue sinnstiftend?

Mitarbeiter:innen brauchen das Gefühl, dass die Zeit die sie investieren sinnvoll investiert ist. Jeder und jede von uns möchte leben, möchte das Leben genießen und auskosten. Zeit zu verschwenden hat in unseren Lebensmodellen keinen Platz. Darum sollten Arbeitgeber:innen den Sinn des Unternehmens mittragen und dadurch die Mitarbeiter:innen darin bestätigen, dass sie ihre Zeit sinnvoll investieren.

Grund #3
Wo kann ich etwas beitragen?

Der Sinnfrage ähnlich und doch ein wenig anders. Nämlich die Frage nach dem eigenen Beitrag. Der Möglichkeit zur Mitgestaltung. Jede und jeder von uns möchte einen Fußabdruck hinterlassen, möchte das Gefühl haben wertvoll zu sein. Wir alle möchten die eigenen Ideen ausleben um so einen Beitrag zur Unternehmens­entwicklung und zum Unternehmens­erfolg zu leisten.

Grund #4
Die klare Kommunikation

Genauer gesagt die Feedback-Kultur. Und zwar in zwei Richtungen. Zum einen geht es hier um ehrliches Lob und um ehrliche Anerkennung. Darum zu zeigen, dass das Unternehmen und die Führungskräfte die Arbeitsleistung und den Input ihrer Mitarbeiter:innen schätzen. Klarheit ist auch angesagt wenn etwas nicht wie erwartet läuft. Wirklich gute Führungskräfte werden heutzutage an ihrer Fähigkeit zu konstruktivem und mutigem Feedback gemessen. Sie dürfen sich also auch nicht scheuen Kritik zu üben. Sie müssen klar, ehrlich und konstruktiv ihre Mannschaft zu ihren Zielen führen.

Nicht geschimpft ist für viele Führungskräfte Lob genug!

Dr. Reinhard Lindner

Eine ziemlich überholte Einstellung, denn die richtige Kommunikation zieht Mitarbeiter:innen an oder verjagt sie.

Grund #5
Das Gehalt

It’s (all) about money. Ok, nicht nur, aber es ist durchaus ein wichtiger Entscheidungsgrund. Die Entlohnung sollte fair und angemessen sein. Bei ihr muss die Relation zur Position, den Anforderungen und der Leistung passen. Und bei ihr sollte es auch immer eine Perspektive zur Verbesserung geben. Denn nichts ist demotivierender als Stagnation.

Werte kann man nicht befehlen. Man muss sie leben.

Nur gelebte Werte schaffen Glaubwürdigkeit und Loyalität. Eine Thematik, die für Lindner in den nächsten Jahren massiv an Dynamik dazugewinnen wird. Denn auch wenn die Digitalisierung in großen Schritten Einzug hält und Maschinen mittlerweile über künstliche Intelligenz verfügen – es fehlt ihnen immer noch die soziale Kompetenz. Und diese Kompetenz macht Menschen zu Menschen – und somit unverzichtbar.

Werte dienen also der Identifikation. Sie geben den Mitarbeiter:innen die Möglichkeit Sinn in ihrer Arbeit zu finden, weil sie sich mit dem was sie tun identifizieren. Weil die Werte des Unternehmens mit ihren eigenen übereinstimmen. Werte zeigen wie die Arbeit des Unternehmens uns als Gesellschaft weiterbringt. Und geben das Gefühl der Zugehörigkeit. Der Besonderheit jeder und jedes Einzelnen. Wirklich gelebte Werte schaffen Loyalität. Und Loyalität brauchen wir in einer Zeit, in der es schwer ist die besten Mitarbeiter:innen im Team zu haben, ganz besonders.

Average is waste of time. Die Wandlung der Kompetenz.

Kompetenz wird facettenreicher, vielfältiger. Sie verteilt sich deshalb auch auf mehr Menschen. Welche Art von Kompetenz brauchen wir also in Zukunft? Führungskräfte müssen lernen zu akzeptieren dass ihre Mitarbeiter:innen in bestimmten Bereichen einfach kompetenter sind als sie selbst. So facettenreich Aufgaben werden, so komplex werden auch die Fähigkeiten diese zu lösen. Es geht also darum das eigene Wissen weiterzugeben um gemeinsam besser zu werden.

Exzellenz – be different or die. Warum soll ich mich für dieses Unternehmen entscheiden?

Mitarbeiter:innen, die ihren Job liken – es ist ein Prozess. Und ein Prozess, eine Entwicklung beginnt mit dem Status-quo. Er beginnt mit Fragen. Mit Fragen danach, was wir haben und was uns fehlt. An soft facts, soft skills, emotionaler und sozialer Kompetenz. Mit den Antworten beginnt die Entwicklung. Sobald wir herausfinden was uns wichtig ist, was wir gerne machen, machen wir es zur Priorität. Wir finden Zeit dafür und entwickeln uns weiter.

Make good things your habit

Die Kombination aus Können und Wollen ist entscheidend. Ebenso wie das Umfeld. Denn dort wo wir uns sicher und zuhause fühlen, da werden wir zur besten Version von uns selbst. Es gilt also heraus­zufinden, worauf die Mitarbeiter:innen stolz sind. Warum sie gerne im Unternehmen sind. Und auch in welchen Bereichen sie Handlungs­potenzial sehen.

Es gilt aber auch die Mitarbeiter:innen in die Verantwortung zu nehmen. All ihre Antworten anzunehmen, zu ändern, was man als Unternehmen selbst ändern kann. Die besten Voraussetzungen zu schaffen, damit Mitarbeiter:innen sich all die Kompetenzen aneignen können die sie brauchen. Und ihnen dann eine Bühne zu bieten, auf der sie zeigen können was sie gelernt und trainiert haben. Eine Bühne wo sie mitgestalten können. Ihnen die Chance zu geben vor der Führungsetage Ideen einzubringen, aufzeigen zu können wie und wo sie das Unternehmen voranbringen können. Weil sie durch Training all jene Kompetenzen erworben haben, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Menschen macht glücklich, wenn sie das tun, was ihnen Spaß macht und sie sich dabei weiter­entwickeln.

Fr. Dr. Nolle Neumann

Wenn Mitarbeiter:innen ihre Jobs liken sollen, sind alle gefordert - Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen. Es liegt in der Verantwortung der Unternehmen, ihren Mitarbeiter:innen die besten Voraussetzungen zu bieten um exzellent zu arbeiten. Es liegt aber in der Verantwortung der Mitarbeiter:innen, exzellent sein zu wollen und es auch zu werden. Der Weg dorthin ist herausfordernd. Er verlangt Offenheit, Vertrauen, Hingabe und Mut. Das Ziel zahlt sich aber aus. Und das wiederum hat die zahlreichen Gäste gleich zum Reflektieren und Hinterfragen animiert.

Danke an alle fürs Dasein. Es war toll, wieder so viele, darunter Führungskräfte von Internorm International, KEBA, Multikraft, Primetals Technologies, voestalpine Group IT, WAG Wohnungsanlagen, live zu sehen.

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