Digital Natives erobern den Arbeitsmarkt – Widerstand: zwecklos

Anna Reisinger

24. 09. 2016
Lesezeit: 4 Minuten

Eine Generation, anscheinend strotzend vor Selbstbewusstsein, sich ihrer Fähigkeiten absolut bewusst und die  Selbstverwirklichung als oberstes Ziel. Das sind Digital Natives, alle nach-1980-Geborenen, die aufgrund dieser Tatsache mit Internet, Digitalisierung und ständigen Erneuerungen in Technik aufgewachsen sind und diese nicht, wie ihre älteren Zeitgenossen, erst erlernen mussten.

 

Work-Life-Balance

Auch in Bezug auf ihr Arbeitsleben haben die Vertreter der Generation Y ihre eigenen Vorstellungen: Work-Life-Balance lautet das oberste Gebot.

Flexible Arbeitszeiten sind somit eine Voraussetzung, um dem altmodischen Modell der Nine-to-Five Jobs zu entkommen und zu einem System zu gelangen, welches auf die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Beschäftigten eingeht und somit Job und Privatleben besser koordinierbar macht. Der Weg hin zur Selbstverwirklichung ist geebnet, doch wie steht´s um den inhaltlichen Teil des Arbeitsleben?

Streben nach großer Karriere und Aufstieg – Fehlanzeige. Solange ihre Fähigkeiten anerkannt und richtig eingesetzt werden, spielen Titel oder jährlich steigende Gehälter für die Kinder der Digitalisierung keine große Rolle.

Geht es um Einstellungen und Arbeitsbereiche, kommt sehr rasch das besagte Selbstbewusstsein der Y´s zum Vorschein. Erbittert um Jobs kämpfen und schließlich eine Stelle annehmen für die man überqualifiziert ist, kommt nicht in Frage. „Ich bin bestens ausgebildet, meine Leistungen sind einmalig und mein Können unverzichtbar – wer will mich?“ lautet die Devise. Arbeitgeber umwerben Arbeitnehmer, so die Vorstellung der Generation Y.

 

Wünschen und Anforderungen der neuen Generation

Soweit die Theorie um die Generation der Computerjunkies, die bis heute in der Bevölkerung in der Unterzahl sind. Am Arbeitsmarkt werden sie jedoch in wenigen Jahren mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer stellen, was es für Unternehmen unmöglich macht, sich den Wünschen und Anforderungen der neuen Generation zu verschließen.

Mögen die Vorstellungen der Arbeitsmarkteroberer für Arbeitgeber der alten Schule auch absurd klingen, die neuen Einstellungen bringen zahlreiche Vorteile mit sich.

Durch selbstständigeres Zeitmanagement, das sich aus flexiblen Arbeitszeiten  ergibt, wird den einzelnen Arbeitnehmern mehr Verantwortung übertragen, denn wird bei den zu erledigenden Aufgaben getrödelt, verlängert sich die Arbeitszeit. Das Arbeitszeit-Absitzen wandelt sich in ein Leistung-Erbringen, schnelles und effektives Arbeiten spart Arbeitgebern Stunden und bringt den Arbeitnehmern mehr Freizeit.

Nicht zu unterschätzen sind die digitalen Fähigkeiten, denen die Digital Natives auch ihren Namen zu verdanken haben. Sie machen sie zur bestausgebildeten und internationalsten Generation, die jemals den Arbeitsmarkt betreten  hat. To be open-minded und das ständige „ins-Kastl-schaun“, was sie sich von älteren Generationen nur zu oft anhören dürfen, bringt neue Perspektiven und kreativere Lösungsansätze.

Auch das geringe Verlangen nach einem Erklimmen der Karriereleiter muss nicht zwingendermaßen negativ gesehen werden. Die Hierarchien innerhalb eines Unternehmens werden unwichtiger, wodurch Konkurrenzkämpfe zwischen Mitarbeitern abnehmen und sich das Arbeitsklima verbessert.

 

Die „Vermächtnis-Studie“

So weit so schlüssig, wäre da nicht die „Vermächtnis-Studie“, durchgeführt von Die Zeit und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, welche zu dem Schluss kommt, dass es – zumindest in Deutschland – keine Generation Y gibt.

Der Wandel zum selbstbestimmten Arbeitsleben und der perfekten Work-Life-Balance nur erfunden?
Nein, die Vertreter dieser Ansichten gibt es, allerdings ist laut Vermächtnis-Studie die Annahme falsch, dass es sich bei ihnen um eine neue junge Generation handelt.

So kommt es beispielsweise bei der Frage, ob es wichtig sei, neue technische Entwicklungen zu verstehen und zu beherrschen, zu keinen unterschiedlichen Ansichten zwischen den Generationen. 50 % der Befragten halten es für wichtig. Unterschiede machen sich erst im Bezug auf das Geschlecht bemerkbar, wonach nur 40 % der befragten Frauen die Frage bejahten, bei den Männern hingegen 60%.

Doch wer teilt die Überzeugungen der ominösen „Generation Y“ wenn es nicht die Jugend ist?
Ausschlaggebend sind Faktoren wie Bildung, Einkommen oder auch ein bunter Freundeskreis, welche nicht zwangsläufig in Verbindung mit dem Alter stehen. Je höher der Bildungsgrad und das Einkommen, desto eher teilt man die Werte der „GenerationY“.

Ob ins digitale Zeitalter hinein geboren oder nicht, der Drang nach Selbstverwirklichung – sei es im Job oder im Privatleben – hängt von sozialen Klassen ab und nicht vom Alter.

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