Beziehungs/Weise

Die Illusion vom schnellen Job

Walter Reisenzein

29. 08. 2019
Lesezeit: 2 Minuten

Jährlich erheben wir eine Statistik der österreichischen Outplacement-Beratung. Dazu werden Daten aus Personalabbau und Kündigungen von Unternehmen aller Branchen herangezogen. Auch die betroffenen MitarbeiterInnen werden befragt. Für sie soll der Job-Ausstieg beziehungsweise -wechsel natürlich rasch über die Bühne gehen – möglichst innerhalb eines Monats. In der Realität dauert es jedoch im Schnitt etwa ein halbes Jahr.

 

Job-Wechsel: ein halbes Jahr

Warum es im Schnitt 24,8 Wochen, also etwas weniger als ein halbes Jahr, dauert, liegt am mehrstufigen Prozess. Zwischen dem Versenden der Unterlagen, Interviews bei PersonalberaterInnen, mit Personalverantwortlichen, mit der neuen Führungskraft, liegen immer wieder zwei oder mehrere Wochen.

Dazu kommen häufig noch Tests und Assessmentcenter, aber auch die Verhandlungen oder Rücksprachen mit RechtsvertreterInnen. Zusätzliche Vorbereitungszeit benötigen das Erarbeiten von Karriereziel, Marketingplan, Lebenslauf sowie die Erstellung von LinkedIn- und Xingprofil.

Im Vergleich zu früher ist diese Zeitspanne nahezu unverändert. Im Krisenjahr 2008 war sie mit 29 Wochen auf dem höchsten Niveau: Es dauerte damals etwa ein Dreiviertel-Jahr bis eine neue adäquate Stelle gefunden war.

 

Aus welchen Branchen kommen die Jobsuchenden?

Die Branchenzahlen spiegeln die Wirtschaftsentwicklung wider. In 2003 lag die Lebensmittelindustrie mit 32 % an der Spitze, Pharmafirmen mit 55 % im Jahr 2018. Die klassische Industrie (Konsumgüter, Automotive & Maschinen) ist im Langzeitvergleich hingegen rückläufig.

 

Was tun?
Entscheidend ist das Netzwerk!

Über persönliche Kontakte eine neue Stelle zu suchen ist mit 71 % die erfolgreichste Strategie, und sie nimmt in den letzten Jahren permanent zu. Im offenen Stellenmarkt wurden dagegen nur 22 % über Stellenanzeigen und 6 % über Personalberater platziert. 

Selbständigkeit wird in der beruflichen Neuorientierung eine immer häufigere Option: So haben sich 2018 erstmals 12 % unserer Kandidaten ein eigenes Geschäft aufgebaut. Der Anstieg ist im langjährigen Vergleich enorm. „Freelancertum“ und „ gig Economy“ sind Schlagworte die damit einhergehen.

 

Wie schaut nun der/die typische Outplacement-KandidatIn aus?

60 % sind Männer und 40 % Frauen. Damit bleibt der Trend unverändert. Auch die Dauer des letzten Dienstverhältnisses, etwa 11,5 Jahre, ist gleichbleibend. Die Tendenz steigt nur beim Durchschnittsalter, dieses beträgt derzeit 47 Jahre.

Kündigungsgrund ist vorrangig Reorganisationen (69 %), das heißt: durch Strukturwandel verursachter Abbau. Danach folgt Rationalisierung (15 %), also der Abbau aus wirtschaftlichen Gründen.

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