Arbeitsmarkt: menschliche Intelligenz vs. künstliche Intelligenz

Birgit Hauser

12. 10. 2016
Lesezeit: 4 Minuten

Nach der Erfindung der Dampfmaschine und der Einführung der Fließbandarbeit stehen wir an der Schwelle der nächsten Industriellen Revolution: Intelligente Roboter, Computer und Maschinen beginnen bereits unseren Alltag zu durchdringen. Die Zukunft beginnt jetzt. Das glauben Sie nicht?

In Südkorea patrouillieren bereits Androiden als Wachen durch Gefängnisse, während in Japan intelligente Roboter als Haushaltshilfen, Bankangestellte oder Hotelpersonal tätig sind. In der Präfektur Nagasaki gibt es schon seit 2015 ein Hotel das beinahe ausschließlich mit Roboterpersonal betrieben wird – vom Concierge bis zur Reinigungskraft. Ein ähnliches Hotel-Testprojekt läuft derzeit im Hilton Hotel in Virginia, USA.

Was können intelligente Maschinen heute schon leisten?

So wie aktuelle Maschinen unsere Muskelkraft und motorischen Fähigkeiten ersetzen, wird die neue Maschinengeneration die menschlichen kognitiven Fähigkeiten immer besser nachbilden können: Lesen, schreiben, verstehen, lernen – die Verarbeitung und Vernetzung unglaublich großer Datenmengen aus Bild, Video, gesprochener Sprache und sogar handschriftlichen Texten lässt die Androiden arbeiten durchführen, zu denen bisher nur der Mensch in der Lage war.

In einigen Filialen der US-Kaufhauskette Macy´s wird aktuell beispielsweise „Macy´s on Call“, ein auf der Künstlichen Intelligenz „Watson“ von IBM basierendes System, getestet. Das Tool kann die Aufgaben des Shop-Personals übernehmen, die Kunden zu den gewünschten Produkten lotsen, über die Artikel sowie über passende Accessoires und Services informieren und ähnliches mehr. Doch das ist erst der Anfang. Weit mehr beeindruckend: 

Krankenhäuser setzen „Watson“ bereits in der Krebsdiagnose ein und manche Finanz-Start-ups lassen sogenannte ChatBots ihre Kunden in Bankangelegen beraten.

Selbst vermeintlich kreative Arbeiten wie journalistische und künstlerische Tätigkeiten vom Songwriting bis zum Verfassen eines Gedichts werden von den Maschinen durch ihre Fähigkeit, Informationen neu zu vernetzen und so selbstständig dynamisch zu lernen, in immer besserer Qualität ausgeführt werden können.

Wie wird sich dadurch unsere Arbeitswelt verändern?

Eines steht fest: Unsere Arbeitswelt wird sich verändern und das in rasendem Tempo. Doch Experten sind sich nicht einig, wie diese Veränderung genau aussehen wird.

Eine Theorie geht von einer Evolution der Berufsbilder aus. Dies lässt sich aus einer Rückschau auf die Geschichte der vorangegangenen Industriellen Revolutionen schließen: Landwirtschaftsmaschinen machten die Arbeitskraft der Feldarbeiter überflüssig und die Feldarbeiter wurden zu Fabriksarbeitern. Diese Fabrikarbeiter wurden wiederum zu Mechatronikern, Softwareingenieuren oder Düngerentwicklern, als die Landwirtschaftsmaschinen von Robotern am Fließband zusammengesetzt werden konnten.

Das Verschwinden bestehender Berufe brachte also neue hervor.

Doch welche neuen Berufsbilder werden sich entwickeln, wenn Maschinen nicht nur unsere Muskelkraft und motorischen Fähigkeiten, sondern selbst unsere kognitiven Tätigkeiten ersetzen können? Das, was uns Menschen bisher so wesentlich von Maschinen unterschieden hat?

Eine andere mögliche Szenerie ist laut Experten, dass wesentlich mehr Jobs verloren gehen, als gleichzeitig geschaffen werden können. Gleichzeitig wird es für die menschlichen Arbeitskräfte immer schwieriger, mit der Qualifikation der intelligenten maschinellen Konkurrenz mitzuhalten. Für Arbeitgeber könnte es sich also nicht mehr lohnen, Arbeitskräfte weiter auszubilden, wenn Maschinen denselben Job ebenso effektiv oder sogar besser ausführen können. Was werden die Folgen sein? Massenarbeitslosigkeit? Oder bedingungsloses Grundeinkommen für alle und mehr Zeit zur Selbstverwirklichung?

Als Unternehmer werden Sie vor eine historische Herausforderung gestellt

Unternehmen wie auch ihre Human Resources Abteilungen stehen vor einem noch nie da gewesenen Veränderungsprozess – und das noch dazu bereits in den nächsten Jahren, nicht Jahrzehnten: Werden Sie beginnen, in Ihrem Unternehmen neue Berufsbilder im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung für sichere Arbeitsplätze auch in Zukunft zu schaffen? Oder setzen Sie auf intelligente Maschinen für maximale Wirtschaftlichkeit und Funktionalität?

Welchen Weg werden Sie einschlagen?