Beziehungs/Weise

Alles klar:
Keiner weiß Bescheid

Harald Jeschke

24. 01. 2017
Lesezeit: 4 Minuten

Ist doch ganz normal, oder: „Ich hab’s nicht gewusst.“ Oder: „Das hat mir wieder einmal niemand gesagt. Ich bin ja wohl der Letzte in der Infokette. Man ignoriert mich einfach. Da will mich jemand dumm sterben lassen. Typisch für diesen Laden! Langsam habe ich es satt…“

Und schon ist der schönste Konflikt im Gespräch. Die Hackordnung wird hochgekocht, der Intrigenspiegel steigt, Gerüchte machen die Runde, und die ursprüngliche Sachfrage hat sich flugs in ein Beziehungsdrama verwandelt. Information als Waffe?

Niemand ist jemals wirklich ganz informiert. Bestenfalls kann er sich so fühlen.
Das ist das Ziel.

Die erste Frage lautet doch: Was muss ich dem anderen an Infos geben, damit er /sie sich so verhalten bzw. reagieren kann, wie ich es mir wünsche? Und die zweite: Was kann ich an Vorwissen voraussetzen? Warum kann ich von diesem Kenntnisstand ausgehen? Und wir sollten uns immer fragen: Was macht mich denn so sicher, dass der andere schon wissen wird, was wir uns so denken und wünschen?

Infos über Infos:
Die Geschichte der Missverständnisse

1. „Wenn ich jetzt auch noch alle MitarbeiterInnen informieren muss, komme ich ja zu gar keiner Arbeit mehr“, sagt der Abteilungsleiter einer Werkzeugfabrik. Hat ihm denn keiner gesagt, dass dieses Informieren ein Großteil seiner Arbeit als Führungskraft ist? Zu wenig Information über den Zweck seiner Arbeit.

2. Verständlichkeit im Sprechen und Schreiben bringt die Informationsqualität auf den Punkt. Es kostet dutzende oder gar hunderte Menschen mehr Zeit und Energie, sich mit einer schlechten Information herumzuschlagen, als wenn sie ein Absender gut aufbereitet. Der Sender hat nämlich die Verantwortung dafür, dass seine Botschaft ankommt und verstanden wird. Wenn er diese Verpflichtung nicht wahrnimmt, handelt er respektlos, egoistisch und höchst unökonomisch.

3. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind die Kunden unserer Informationsarbeit. Wer unentschuldigt, zeitverzögert, schlampig oder gar nicht „liefert“, bekommt ein – oft irreparables – (Vertrauens-)Problem.

4. Wer in seinen Aussagen und Texten von Anfang an den SIE-(oder DU-) Standpunkt einnimmt, denkt adressatenorientiert. Deshalb sollte man z.B. in Briefen oder Anweisungen immer mit SIE (oder DU) beginnen … das polt uns in Richtung Empfänger. Einfach ausprobieren und den mentalen Switch genießen. Gedanken sind Kräfte und richten uns aus. Das wusste schon Schiller.

5. Wer fragt, führt! Fragen bestimmen die Themen, die behandelt werden (sollen). Außerdem sind sie ein untrügliches Zeichen für Interesse. Deshalb: Mehr fragen und weniger behaupten. Ein Win-win-System ersten Ranges.

6. Unsere sogenannte „Informationsgesellschaft“ ist über weite Strecken zu einem unstrukturierten und ablenkenden (Hintergrund-)Rauschen geworden: We are overnewsed but underinformed. Die Konsequenz: Informationen und Informationsquellen selektieren und fokussieren. Sonst wird das Ganze toxisch.

7. Qualitatives Wachstum von Organisationen bedeutet: Zunahme an Struktur und Information. Wer seine Informationsqualität in Ordnung bringt und sie in Ordnung hält, leistet zum qualitativen Wachstum einen enormen Beitrag … für sich und für alle anderen. Auf jeder Ebene. Und jeden Tag.

8. Wir setzen beim anderem immer viel zu viel voraus. Das ist eine Lieblosigkeit mit negativen Folgen: Wir bringen uns (und unsere Adressaten) damit zwangsläufig in die Negativspirale von Überforderung, Vertrauensverlust und Ablehnung.

Der positive Haloeffekt des guten Informierens

Der Haloeffekt besteht darin, dass Menschen gern einen Zusammenhang von Eigenschaften herstellen, der in dieser angenommenen Form gar nicht gegeben ist. Ein Rechtschreib-Guru wird z.B. als intelligent, kompetent und professionell eingeschätzt („Heiligenschein-Effekt“). Ein Legastheniker hingegen wird von vielen als dumm wahrgenommen, auch wenn er noch so intelligent ist („Teufelshörner-Effekt“).

Wer gut informiert,
wird mit Respekt honoriert.

Wer gut informiert, gilt als strukturiert, offen, kommunikativ und teamfähig. Und warum? Weil er mit seinem Verhalten der Kernfunktion von Information sehr nahekommt und sie zugleich emotional und rational auflädt.

Information ist das Beheben von Nichtwissen:
Sie sollte idealerweise in einer leicht verarbeitbaren Form, möglichst komplett und in einem Stil dargeboten werden, der die Selbstachtung des Adressaten schont. Außerdem sollte sie als ein Nestbaumaterial wahrgenommen werden, das vom Adressaten als nützlich und Erfolg versprechend erkannt wird.

Fürs Erste genug Information, oder? Interessant für Sie?
Informieren Sie uns …

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