Beziehungs/Weise

Was wird aus HR?
Was bleibt von HR?

Harald Jeschke

12. 05. 2017

Die Entwicklung ist rasant, und es ist kein Endpunkt absehbar. Werden „die Personaler/-innen“ zwischen neuen Arbeitsformen, Vollbeschäftigungsutopien, (neuer) Selbstständigkeit und befristeten Arbeitsverhältnissen aufgerieben? Was kann (und soll) aus ihnen werden?

In den nächsten Jahren werden allein im deutschsprachigen Raum (trotz Zuwanderung) ca. 7 Millionen weniger Menschen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sein. Und Trendforscher* sagen uns, dass nach 2020 maximal 40 % der Beschäftigten in klassischen Langzeit-Anstellungsverhältnissen arbeiten werden.

Die Zahl der Selbstständigen wird sich zu diesem Zeitpunkt auf 20 % verdoppelt haben. Und die restlichen 40 % werden Projektarbeiter/-innen sein, die ihre Arbeitgeber auf der Suche nach den besten Möglichkeiten oft und schnell und „projektbezogen“ wechseln. Denn sie wollen an den besten Aufgaben mit dem besten Team unter der besten Führung arbeiten: High Potentials suchen die Herausforderung und die Möglichkeit, sich zu bewähren … das macht sie mobil und so schwer „greifbar“.

Fluides Unternehmen oder Caring Company:
In welche Richtung entwickelt sich Ihre HR-Abteilung?

Fluide Unternehmen werden nur einen „harten Kern“ an Mitarbeiter/-innen haben. Die Organisation wird ganz auf die Kooperation mit externen und wechselnden Projektmitarbeitern aufgebaut sein. Und diese Leute arbeiten schon deshalb sehr gut, weil sich ihre Arbeitsergebnisse auf die Bezahlung beim nächsten Projekt auswirken wird. Das Unternehmen muss nur genug verflochten sein, um unter den besten Leuten positive Bekanntheit zu genießen und als „Geheimtipp“ weiterempfohlen zu werden.

Wer als HR-Verantwortliche(r) in einem fluiden Unternehmen Zukunft haben will, muss schon jetzt eigene Netzwerke aufbauen und pflegen … weit über die üblichen Branchen- und Themengrenzen hinaus. Und es muss ein neues Denken in der HR-Abteilung einziehen, denn „die Suche nach passenden Mitarbeiter/-innen ist ein für alle Mal vorbei“ …  weil es sie nicht gibt.

HR-Leute müssen fähige Leute finden, und die Jobs an sie anpassen (helfen). Denn in fluiden Unternehmen ändern sich Tätigkeits- und Verantwortungsbereiche permanent, und die Steuerung dieses Prozesses wird zum Herzstück des Unternehmens und der HR-Arbeit werden (müssen). HR-Chefs mutieren zu Chief Changing Officers (CCO).

Aber auch in Caring Companies muss sich HR „neu erfinden“: denn in diesen Unternehmen sind die HR Leute dafür da, die Festigkeit der Bindung zu den Mitarbeiter/-innen und ihren Familien aufzubauen und zu sichern. Und dabei geht es nicht um nette Gesten oder Sozialromantik, sondern um das Herstellen eines „Rundum-Sorglos-Umfeldes“ für die Beschäftigten (und ihrer Angehörigen). Die Steuerung der Bindung und die entsprechende Kommunikationsarbeit sind hier die Hauptaufgaben der HR … und wirklich herausfordernde dazu.

Beziehungen aufbauen und pflegen, steuern und kommunizieren:
Die Zukunfts-Agenda von HR

Die Aufgaben von HR in der Zukunft werden nicht nur immer wichtiger, sondern verlangen von den Mitarbeiter/-innen in diesem Bereich auch die Bereitschaft, sich selbst und das Rollenverständnis des eigenen Tuns zu wandeln. Denn was von allen Anderen verlangt wird, muss auch im Kern von HR verankert und gelebt werden: Practice What You Teach.


* Quelle: Sven Gábor Jánsky