Beziehungs/Weise

Teil 1 der Expedition Klimaforschung:
Wahrnehmung und Beobachtung

Nina Obernosterer

06. 04. 2018

In welcher Klimazone ist Ihr Unternehmen gerade unterwegs? Schwitzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei tropischem (Arbeits-)tempo oder herrscht eisige (Polar-)kälte zwischen einigen Abteilungen….?

Ich lade Sie zu einer Klimaforschungsexpedition ein. Denn - ein positives Betriebsklima führt zu zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Führungskräfte, zu weniger Krankenständen, zu einer hohen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft und einer geringen Fluktuation. Stark vereinfacht und kurz gesagt, ist das Klima gut, geht es Mensch und Organisation gut.

Soweit so bekannt, aber wie funktioniert es nun in der Praxis tatsächlich, das Ding mit dem Klima?

 

Ein positives Betriebsklima gibt es nicht von der Stange!

So wie sich die Zeiten, Moden und auch gesetzliche Rahmenbedingungen wandeln, wandeln sich auch mitunter Ansprüche und Sichtweisen auf das Thema des Betriebsklimas. Wer hat denn welche Verantwortung, welche Erwartungshaltung und Interessen, was bedeutet eigentlich positives Betriebsklima und wie kann ich es gezielt beeinflussen? Fragen auf die es meiner Meinung nach keine Antworten von der Stange gibt!

Ich werde mir dieses interessante Thema im kommenden Jahr aus vier unterschiedlichen Perspektiven ansehen und hoffe Sie neugierig zu machen und zur Klimaforschung zu inspirieren. Vielleicht finden Sie ja das eine oder andere Wandlungspotential, denn Klimawandel ist nicht nur aus Umweltsicht ein brisantes und wichtiges Thema.

Am Anfang stehen Wahrnehmung und Beobachtung

Nachdem das Klima etwas Komplexes zu sein scheint, etwas ganz Spezielles und individuell in jedem Unternehmen, möchte ich diesem ersten Beitrag den Fokus auf die Grundlage einer jeden erfolgreichen Entwicklung legen, auf gezielte Wahrnehmung und Beobachtung. Kompetenzen, die im Zeitalter der Digitalisierung und Schnelllebigkeit gepflegt, gefördert und entwickelt werden dürfen.

Wie kann nun so etwas Komplexes wie ein Betriebsklima wahrgenommen und beobachtet werden? Naja, Sie tun das jeden Tag, in jedem Moment, den Sie in Ihrer Organisation verbringen. Und es beeinflusst Sie auch darüber hinaus. Wenn ich nochmals die Analogie zur Umwelt bedienen darf Sie spüren es, ob Sie tagtäglich mehrere Stunden heftigen Stürmen ohne geeigneter Schutzkleidung ausgesetzt sind, oder einem stabilen Azorenhoch mit funktionierender Klimatisierung.

Unser Köper nimmt wahr mit allen Sinnen, ordnet ein und entwickelt Copingstrategien (Bewältigungsstrategien), die uns meist nicht einmal bewusst sind. Darüberhinaus beobachten wir an jedem Tag Verhalten und Kommunikation (verbal oder nonverbal) - auch das gibt uns gute Hinweise über die Beschaffenheit des Betriebsklimas und dessen Auswirkung auf uns und andere.

Meine Anregung diesmal – nehmen Sie sich Zeit und legen Sie einen bewussten Fokus auf das Betriebsklima, schauen Sie, was Ihnen dabei in die Sinne kommt.

Wenn Sie jetzt bei den Wörter Zeit nehmen und bewusst sein ein – „wäre ja nett, aber mein Alltag schaut anders aus“- Gefühl bekommen – kann ich das sehr gut nachvollziehen, deshalb anbei ein Tipp, wie es gelingen könnte.

Aber auch da, bitte experimentieren Sie, finden Sie Ihre eigene Methode - ihr Alltag ist individuell, das Mikroklima in Ihrem Betrieb ebenso. Meine Erfahrung sagt, es darf in jedem Fall leicht gehen, nur dann wird es regelmäßig gemacht!

Praxistipp:
8-Sinne-Warhrnehmung

  • Nehmen Sie zwei bis dreimal am Tag für ein paar Minuten bewusst die sich bietende Szenerie - mit dem Fokus auf das Betriebsklima - wahr und beobachten Sie.
  • Dafür mit allen 5 Sinnen ins Hier und Jetzt kommen und neugierig wahrnehmen – Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Empfindung auf der Haut.
  • Sie können dann auch den 6. Sinn befragen – Ihren Körper und seine Empfindungen (Temperatur, Spannung, Entspannung,...).
  • Im Normalfall schaltete sich bei diesem Fokus sehr schnell Ihr 7. Sinn ein, unsere Gedanken, Meinungen und Einstellungen und auch die Gefühle zur jeweiligen Szenerie und Thematik. Auch hier können Sie wahrnehmen, was der 7. Sinn gerade für Signale gibt.
  • Nach dieser Selbstwahrnehmung können Sie den 8. Sinn dazu holen, der wohl im Arbeitsalltag im Normalfall unsere größte Aufmerksamkeit bekommt. Die Dynamik im Außen, die Beziehung der handelnden Personen zueinander, Ihr Veralten und die Kommunikation (verbal und nonverbal) untereinander. Was beobachten Sie da, können Sie dabei Muster erkennen (sehen Sie dabei nicht vortrefflich die handelnden Personen, versuchen Sie die Metaebene zu sehen – hier liegt der Schlüssel) und wie wirkt diese Dynamik im Außen auf Sie (6. Sinn)?
  • Und jetzt kommt`s, Sie müssen sich nicht gleich eine Meinung bilden, bewerten oder gar damit unmittelbar etwas tun. Sie dürfen einfach neugierig bleiben, den Forschergeist wach halten und in der Beobachtung bleiben. Wenn es Ihnen nützlich erscheint, machen Sie Notizen.

Die 4 Gestaltungsebenen des Betriebsklimas

Durch dieses konsequente Wahrnehmen und Beobachten lässt sich die Klimadynamik studieren und differenzierter betrachten und es wird sichtbar, wo für einen selbst die Stärken liegen und sich Handlungsfelder auftun.

Machen diese Übung nun noch mehrere Personen im Betrieb und stellen sich diese ihre individuellen Perspektiven zur Verfügung, wird das Bild schärfer und klarer, wo Wandlungspotential liegt und der passende Hebel angesetzt werden kann. So steigt die Wahrscheinlichkeit die richtigen Maßnahmen zu setzen und das Klima gezielt positiv zu beeinflussen.

Auf welcher Ebene Handlungsfelder liegen und wie diese auf das Klima wirken wird Thema der nächsten Beiträge sein. Dabei schaue ich mir die Einflussmöglichkeiten auf der organisationalen Ebene, auf der Ebene von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das Zusammenwirken auf Gruppen- und Teamebene sowie die oft vergessene und unterschätze Einflussnahme der Ebene des Raums (Licht, Anordnung von Arbeitsplätzen, Geräusche,...) an.

 

Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Neugierde und Entdeckergeist bei der Klimaforschung in Ihrem Betrieb!