Ade. Lebwohl.
Auf Wiedersehen?

Claudia Grubmüller

04. 10. 2017

Das fünfte HR/Café hatte sich Trennungskultur als Thema vorgenommen – freilich im beruflichen Umfeld. Doch wie bereits Mag. Walter Reisenzein, Key Note Speaker an diesem Abend, eingangs bemerkte, sind die psychologischen Muster vergleichbar mit denen eines privaten Abschieds. Damit verbundene Emotionen lassen deshalb kaum jemanden unberührt. So auch die Auseinandersetzung darüber.

Die Veranstaltung war geprägt von unterschiedlichsten Kommentaren zum Nachdenken, Schmunzeln oder Lachen. Im praxisnahen Diskurs verhandelte man „richtig“ oder „falsch“ sowie nuancierte Möglichkeiten dazwischen. Einflussthemen wie Körpersprache und Arbeitsrecht boten Einblick in diverse Berufsrealitäten.

Dadurch wurden die unterschiedlichen Umgehensweisen mit Trennung auch nachvollziehbar. Mal sachlicher, mal höflich, mal persönlich kommunizieren Oberösterreichs HR-Profis Ihre Botschaft im Trennungsgespräch. Empathie bildet dabei den Grundpfeiler. Je nach Branche, Charakter, Erfahrung oder Ausbildung wird Trennungskultur individuell gelebt. Ihre Auswirkung auf die Arbeitgebermarke, damit aufs Recruiting und schlussendlich auf ökonomische Ziele, blieb jedoch unbestritten.

Als Essenz des Abends bleibt: Bereiten Sie sich auf die Situation vor!

Diese Empfehlung betrifft den global agierenden Konzern ebenso wie das regional verankerte Start-Up. Für Leitungsfunktionen aller Hierarchien gilt: Bereiten Sie sich vor und gestalten Sie Trennungen aktiv! Alleine das Bewusstsein über mögliche Abläufe hilft, die emotional aufgeladene Situation kompetent zu meistern. Eine Orientierung:

Was sage ich wie?

Vorrangig muss die Botschaft „Sie sind gekündigt und verlassen das Unternehmen“ unmissverständlich ausgesprochen werden. Ob und welche Erklärungen hilfreich sind, hängt maßgeblich von den jeweiligen Umständen, dem Corporate Code und vom Verhalten des Gekündigten ab. Abschließend können Sie ein Zweitgespräch anbieten, um alle Details in Ruhe zu klären.

Unglücklich macht weniger das „Was“,
sondern eher das „Wie“.

Welche Reaktionen des zu Kündigenden sind zu erwarten und wie gehe ich damit um? Beherrscht, geschockt, aggressiv oder verhandelnd. Eine Reaktion auf Verhandler können Angebote sein: Finanzielle, die den Trennungsschmerz mildern oder beratende, die einen Neuanfang erleichtern. Geschockten Mitarbeitern wird beispielsweise die Heimfahrt begleitet von Vertrauenspersonen organisiert.

Definieren Sie im Vorhinein, welche Optionen angemessen sind beziehungsweise Ihrer Unternehmenskultur entsprechen – möglicherweise im Team oder mit Hilfe eines Beraters.

Wie gestalte ich den Rahmen des Gesprächs?

Um den zeitlichen Rahmen eines Kündigungsgesprächs abzuschätzen, inszenierte Mag. Reisenzein ein Rollenspiel. Den Part des Arbeitgebers übernahm Dr. Reinhold Köbrunner (OTM Karriereberatung GmbH). Gemeinsam mit Mag. Klaus Lienerbrünn (mpower marketingoptimierung) als Arbeitnehmer stellte er Dos aber auch Don`ts dar.

Auf die anschließende Frage, wie viel Zeit das intensive Schauspiel in Anspruch genommen habe, antwortete das HR/Café-Publikum mit Schätzungen zwischen 10 und 15 Minuten. Tatsächlich dauerte das Gespräch aber bloß 4 Minuten 30. Unsere gefühlte Wahrnehmung hatte uns getäuscht. 

„7 Minuten als Richtwert“, lautet deshalb die Empfehlung zum zeitlichen Rahmen. Sollten mehrere Kündigungen anstehen, soll ausreichend Zeit veranschlagt werden: Insgesamt etwa 45 Minuten pro Mitarbeiter, jeweils unterbrochen von 15 Minuten Pause für sich selbst.

Weitere Hinweise zur Gestaltung der Umgebung:

  • Ungünstige Zeitpunkte sind schwere Krankheit, Weihnachten, Geburtstag, Freitage und Ausnahmefälle (etwa bei Verdacht auf Suizidgefahr).
  • Als Raum ist das Chefbüro ebenso geeignet wie ein neutraler Raum. Es sollte nur die notwendige Intimsphäre gewahrt bleiben (keine Glaswände, kein tradierter Raum speziell für Kündigungen).

Die Verantwortung wahrnehmen

Kaum jemandem fällt es leicht, Kündigungen auszusprechen. Ein umsichtiger Blick auf die psychologische Komplexität von Trennung hilft jedoch, Unangenehmes etwas leichter zu bewältigen. Dieses Bewusstsein schaffte das fünfte HR/Café zu verwurzeln. Wer dieses Thema vertiefen möchte, findet dazu auch in der Literatur Gelegenheit:

Trennungskultur: Handbuch für ein professionelles, wirtschaftliches und faires Kündigungsmanagement
Laurenz Andrzejewski

Der Mensch im Merger: Erfolgreich fusionieren durch Zielorientierung, Integration, Outplacement
Dr. Dietrich Buchner

Die Vollstrecker: Rausschmeißen, überwachen, manipulieren - Wer für Unternehmen die Probleme löst
Christian Esser

Outplacement: Die Praxis der integrierten Beratung
Stefanie Heizmann

Zukunftstrends im Trennungsmanagement: Grundlagen und Perspektiven für professionelle und faire Personalfreisetzungen
Daniela Kausch

Kündigungsgespräche: Über den menschlichen Umgang mit persönlichen Katastrophen
Einhard Schrader, Ulrich Küntzel